Die harten Wahrheiten, die ich lernte, als ich meine Mutter zu Hause pflegte.

Meine Mutter verschwand nicht von heute auf morgen aus meinem Leben.
Sie verblasste – leise, fast höflich – wie ein Licht, das man Stufe für Stufe dimmt.

Zuerst kamen die kleinen Fehler: Schlüssel im Gefrierschrank vergessen, Termine versäumt, Geschichten zweimal erzählt, immer mit demselben freundlichen Lächeln. Wir lachten darüber. Wir redeten uns ein, es sei normal.
Bis sie eines Nachmittags mein Gesicht mit warmherziger Unsicherheit musterte und fragte, ob ich nebenan wohne.

Die Diagnose wurde in vorsichtigen Worten übermittelt. Fortschreitend. Unberechenbar.
Der Arzt sprach leise, als könne Lautstärke die Realität beschönigen.

Meine Geschwister reagierten schnell und entschlossen. Sie sprachen über Einrichtungen, Wartelisten, monatliche Kosten – Zahlen wurden hin und her gereicht wie Geschäftszahlen. Ich schwieg, denn ich kannte meine Antwort bereits.
Ich konnte sie nicht an einem fremden Ort zurücklassen.
Ich konnte ihre Angst nicht Fremden anvertrauen.

Also brachte ich sie mit nach Hause.

Man hat mich gewarnt. Man sagte, es würde mich zermürben. Dass sie vielleicht nie erfahren würde, was ich aufgegeben hatte. Dass Liebe ohne Anerkennung irgendwann in Groll umschlägt.
Ich habe zugehört – und bin geblieben.

Die Pflege für sie zerstörte nach und nach mein aufgebautes Leben.
Meine Arbeitszeit verkürzte sich. Dann verlor ich ganz meine Arbeit.
Das Geld floss in Medikamente, angepasste Mahlzeiten, Sicherheitsvorkehrungen und unauffällige Lösungen für laute Probleme. Meine Welt beschränkte sich auf ihre Routinen, ihre Stimmungsschwankungen, ihre zerbrechliche Ruhe.

Manche Tage waren fast friedlich. Sie summte Melodien aus längst vergangenen Zeiten, ihre Augen sanft wie das Sonnenlicht, das über den Boden fiel.
An anderen Tagen war sie unruhig, ängstlich vor Dingen, die sie nicht benennen konnte.
Meine Geschwister riefen ab und zu an. Besuche waren selten.

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